22.11.13

Abgrenzung? Ja, bitte!

Dauernd lese ich von Abgrenzung. Abgrenzung von selbst ernannten Intellektuellen, Abgrenzung von Menschen, die Comic Sans benutzen, sogar Abgrenzung von Abgrenzung. Und Abgrenzung ist böse, steht da. Sie sei strukturell und arrogant, schließe aus, wäre wieder nur ein Mittel zum Konkurrenzerhalt.

Abgrenzung ist Selbstschutz und an Selbstschutz ist grundsätzlich erstmal nichts auszusetzen. Was tue ich schon, wenn ich mich abgrenze? Ich sage damit nicht mehr, als dass ich auf irgendwas keinen Bock habe.
Es geht nicht um die strukturelle Ab- und damit Ausgrenzung irgendwelcher marginalisierter Grüppchen, sondern um das Basteln einer eigenen Filter Bubble mit Menschen, deren öffentliche Inszenierung oder vorgegebene Ansichten mich nicht nerven, auf die ich mich verlassen kann, weil wir irgendwas gemeinsam haben, die mich supporten, weil wir gleiche Dinge (nicht) mögen.

Wenn sich Leute vor ihre Bücherregale stellen und damit ihren automatisch vorgefertigten Intellekt repräsentieren möchten, ist mir das egal. Sie grenzen sich damit ab, mich aber nicht automatisch aus.
Sollte es mir wichtig sein, in solchen Punkten nicht abgegrenzt zu sein, kann ich schließlich meinen eigenen Anspruch hinterfragen und ändern.
Andersrum frage ich mich auch: Weshalb sollte mir daran gelegen sein, immer und überall für alles, was ich ästhetisch, sinnvoll, gut finde, ein freundliches Kopfnicken zu erhalten, keine Abgrenzung zu erfahren?

Wir grenzen uns in so vielen Hinsichten ab. Mal geht es um Äußerlichkeiten, mal um –ismen, mal um Interessen, mal um vieles gleichzeitig. Dadurch entstehen aber nicht nur Grenzen, sondern auch Überschneidungen, die uns verbinden statt uns gegenüberzustellen.
Bezugsgruppen entstehen auch nur, weil wir uns aus diversen Gründen zusammentun. Diese Grüppchen wachsen nicht ununterbrochen weiter, eben weil es eine imaginäre Grenze gibt. Diese grenzt ab, aber nicht zwangsläufig aus.

Vor allem die Abgrenzung von –ismen wird hingenommen, ja sogar begrüßt. Damit wird aber davon ausgegangen, dass ebenjene Personen unbelehrbar sind. Eins begibt sich in eine höhere Position, weil ihnen abgesprochen wird, dass sie sich damit konstruktiv auseinandersetzen könnten. Vielleicht ist es aber auch einfach nur Selbstschutz.
Ich meide den Diskurs mit Maskus – das ist eine Abgrenzung. Die gestehe ich mir zu, die Anti-Abgrenzungsfront allerdings auch. Hallo Doppelmoral. Je nach Betroffenheitsgrad abzuwägen, ob es okay ist zu sagen, dass eins auf irgendetwas keinen Bock hat – nicht mit mir.

Ich grenze mich hiermit ab. Von Personen, die von sich behaupten, der intellektuelle Flügel zu sein, die Comic Sans benutzen, weil sie es seriöslich finden, die sich abgrenzen von Leuten, die sich abgrenzen. Ich grenze mich von so vielem ab, weil es mich davor bewahrt, jeden Tag auf 180 zu sein. Und weil es mir egal ist, dass ich nicht mit allen Menschen alles gemein habe.

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