02.08.14

Konsumkritik? Geschenkt.

Die Überzeugung vom kritischen Konsum hält sich hartnäckig. Nachdem die erste Empörung über schlechte Arbeitsbedingungen bei Primark, h&m und Kik verflogen ist, wird sich wieder direkt an den*die Verbraucher*in gewendet.
Wieso man nur da einkaufen könnte, wieso nicht selbst nähen, wieso nicht „da mal etwas mehr investieren“?

Ja, wieso da mal nicht etwas mehr investieren? So wie auch bei Lebensmitteln, da soll mir Qualität doch bitte mal etwas wert sein und SO teuer sind Bio-Produkte nun auch nicht mehr. So wie bei Technik-Gedöns, wo Qualität und gute Arbeitsbedingungen sich am Preis messen lassen sollen.
In jedem Lebensbereich soll dann mal ein bisschen mehr ausgegeben werden. Ein Mehr, das nicht da ist. Ein Mehr, das mir bewusst nicht gegeben wird, weil schlechte Qualität nun mal Teil des Systems ist. Ein Mehr, das nicht für mich oder die (anderen) Ausgebeuteten da ist, sondern für den*die Hersteller*in.

Weshalb alles selbst nähen keine ernsthafte Alternative ist, wird in diesem Blogpost gut erklärt. Neben dem Anspruch, mal eben alles lernen zu müssen, kostet Nähen vor allem am Anfang auch einfach horrend viel Geld. Das ganze Equipment nimmt Platz ein, den nicht jede*r zu Hause hat.
Und die Tipps, halt alles einfach selbst zu machen, wenn „gute“ Produkte zu teuer sind, kommen meist von denen, die selbst von allem, was dafür notwendig ist, alles haben (könnten).

Wieso nur da einkaufen? Weil es billig ist und selbst Personen mit festem Einkommen nicht regelmäßig in teureren Geschäften einkaufen können, selbst wenn sie es wollten. Das positiv gelabelte Öko-Fetzchen bleibt dann auch die Ausnahme und es lässt sich darüber streiten, ob die Arbeitsbedingungen tatsächlich besser sind.

Statt andere Konsument*innen noch für ihr Kaufverhalten zu kritisieren, sollte die Scham dahingelenkt werden, wo sie hingehört: Zur Quelle.
Die Produktionsbedingungen werden nicht von mir mit meinem Kauf geschaffen, sondern von den Firmen, die Dinge produzieren lassen. Unter staatlichen Fairness-Deckmäntelchen auf dem Papier wie Mindestlohn und Verbot von Kinderarbeit, entscheiden immer noch die Produzierenden, nicht die Konsumierenden.
Staat und Unternehmen reichen sich die Hand, um die Bedingungen schlecht und somit kostengünstig zu halten, d.h. beide haben überhaupt kein Interesse daran, sich ernsthaft um halbwegs erträgliche Arbeitsbedingungen zu kümmern, denn es _muss_ möglichst billig sein, sonst wären’s keine Unternehmen. Die existieren nicht, um uns schöne Güter vor die Nase zu setzen, sondern um Gewinn zu erzielen. Aber das ist hier ganz schön zusammengefasst.

Das Problem ist also nicht meine vermeintliche Fehlentscheidung, denn mein Kauf ist keine freie Entscheidung, sondern ein gesellschaftlicher Zwang. Und es wird mit Sicherheit nichts besser, wenn wir uns für unsere miserablen Lebensbedingungen noch gegenseitig vors Schienbein treten.

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