16.07.15

„Deshalb möchte ich sie trotzdem einmal streicheln.“

Angela Merkel fasst kurz zusammen, wie wie viel Politik und Menschlichkeit™ miteinander zu tun haben.



Sie erzählt von manchmal leider harter Politik, dass nicht alle einfach herkommen dürften und dass Entscheidungen zur Abschiebung schneller vom Tisch gehen müssten. Wenig überraschend fängt Reem daraufhin an zu weinen.
Sofort sieht man, wie in Merkels Kopf der Kampf zwischen „Ich find Abschiebung halt super, vor allem für meinen Geldbeutel“ und „Ich darf jetzt nicht so emotionslos aussehen, wie ich bin“ losgeht und sie entscheidet sich für die Scham erregendste Geste einer gespielten Fürsorge, nämlich Reem zu tätscheln, als wollte sie ihr Bestes und um sie zu loben für ihren überaus mutigen Redebeitrag, der nicht „mutig“ sein müsste, wenn Menschen nicht in deutsch oder möglichst deutsch und irgendwie verwertbar eingeteilt würden.
Die umsitzenden Gesichter und der Kommentar des Moderators fassen die Arroganz dieses Dialoges und die gesamte Doppelmoral der angeblichen Fürsorge des Staates ganz gut zusammen. Ein Appell an das scheinbar empathische Ohr der Nation, der milde-herablassend in die Gesamtmenge „Asylanten“ zurückgedrängt wird, damit sich Merkel nicht ernsthaft mit individuellen Lebensrealitäten befassen muss.

„Das lässige Streicheln über Kinderhaar und Tierfell heißt: die Hand hier kann vernichten. Sie tätschelt zärtlich das eine Opfer, bevor sie das andere niederschlägt.“
-  Max Horkheimer, Theodor W. Adorno: Dialektik der Aufklärung, S. 269 f.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen