09.05.16

Kunst aus Farbstoff und Zucker

Galaxy Sweets sind so ziemlich das Spannendste, was ich bisher an Food Art entdeckt habe. Und mal abgesehen davon, dass Kuchen und Kekse sowieso nie verkehrt sind, habe ich jetzt richtig Bock auf diesen schwarzen Berg aus Zucker!




16.07.15

„Deshalb möchte ich sie trotzdem einmal streicheln.“

Angela Merkel fasst kurz zusammen, wie wie viel Politik und Menschlichkeit™ miteinander zu tun haben.



Sie erzählt von manchmal leider harter Politik, dass nicht alle einfach herkommen dürften und dass Entscheidungen zur Abschiebung schneller vom Tisch gehen müssten. Wenig überraschend fängt Reem daraufhin an zu weinen.
Sofort sieht man, wie in Merkels Kopf der Kampf zwischen „Ich find Abschiebung halt super, vor allem für meinen Geldbeutel“ und „Ich darf jetzt nicht so emotionslos aussehen, wie ich bin“ losgeht und sie entscheidet sich für die Scham erregendste Geste einer gespielten Fürsorge, nämlich Reem zu tätscheln, als wollte sie ihr Bestes und um sie zu loben für ihren überaus mutigen Redebeitrag, der nicht „mutig“ sein müsste, wenn Menschen nicht in deutsch oder möglichst deutsch und irgendwie verwertbar eingeteilt würden.
Die umsitzenden Gesichter und der Kommentar des Moderators fassen die Arroganz dieses Dialoges und die gesamte Doppelmoral der angeblichen Fürsorge des Staates ganz gut zusammen. Ein Appell an das scheinbar empathische Ohr der Nation, der milde-herablassend in die Gesamtmenge „Asylanten“ zurückgedrängt wird, damit sich Merkel nicht ernsthaft mit individuellen Lebensrealitäten befassen muss.

„Das lässige Streicheln über Kinderhaar und Tierfell heißt: die Hand hier kann vernichten. Sie tätschelt zärtlich das eine Opfer, bevor sie das andere niederschlägt.“
-  Max Horkheimer, Theodor W. Adorno: Dialektik der Aufklärung, S. 269 f.

31.01.15

Everybody Down

Der letzte Post ist ein paar Monate her, aber ich wollte heute mal wieder einige Buchstaben zusammenwerfen. Viele werden es vermutlich nicht, ich will euch nur ein wenig Musik unter die Nase halten, die ich gerade regelmäßig einatme.
Es geht um Kate Tempest, aufgewachsen in London und gesegnet mit Gefühl für Rhythmus und Sprache. Meistens packt sie ihre Reime auf abgefahrene Beats, Theater kann sie auch und ihr englischer Akzent macht mich sehr glücklich.

Auf Soundcloud gibt es mehrere Songs als Albumversion, YouTube spuckt diverse Live-Auftritte aus, wobei ich die Soundcloud-Auswahl lieber mag – die Beats sind zahlreicher und die Songauswahl besser. Und „Lonely Daze“ war der erste Track, den ich kannte und deswegen auch am besten finde.


Im April betritt sie die Bühnen in Berlin und Köln und na ja, vielleicht muss ich da unbedingt hin. Bis dahin werde ich meine Begeisterung fleißig teilen.

02.08.14

Konsumkritik? Geschenkt.

Die Überzeugung vom kritischen Konsum hält sich hartnäckig. Nachdem die erste Empörung über schlechte Arbeitsbedingungen bei Primark, h&m und Kik verflogen ist, wird sich wieder direkt an den*die Verbraucher*in gewendet.
Wieso man nur da einkaufen könnte, wieso nicht selbst nähen, wieso nicht „da mal etwas mehr investieren“?

Ja, wieso da mal nicht etwas mehr investieren? So wie auch bei Lebensmitteln, da soll mir Qualität doch bitte mal etwas wert sein und SO teuer sind Bio-Produkte nun auch nicht mehr. So wie bei Technik-Gedöns, wo Qualität und gute Arbeitsbedingungen sich am Preis messen lassen sollen.
In jedem Lebensbereich soll dann mal ein bisschen mehr ausgegeben werden. Ein Mehr, das nicht da ist. Ein Mehr, das mir bewusst nicht gegeben wird, weil schlechte Qualität nun mal Teil des Systems ist. Ein Mehr, das nicht für mich oder die (anderen) Ausgebeuteten da ist, sondern für den*die Hersteller*in.

Weshalb alles selbst nähen keine ernsthafte Alternative ist, wird in diesem Blogpost gut erklärt. Neben dem Anspruch, mal eben alles lernen zu müssen, kostet Nähen vor allem am Anfang auch einfach horrend viel Geld. Das ganze Equipment nimmt Platz ein, den nicht jede*r zu Hause hat.
Und die Tipps, halt alles einfach selbst zu machen, wenn „gute“ Produkte zu teuer sind, kommen meist von denen, die selbst von allem, was dafür notwendig ist, alles haben (könnten).

Wieso nur da einkaufen? Weil es billig ist und selbst Personen mit festem Einkommen nicht regelmäßig in teureren Geschäften einkaufen können, selbst wenn sie es wollten. Das positiv gelabelte Öko-Fetzchen bleibt dann auch die Ausnahme und es lässt sich darüber streiten, ob die Arbeitsbedingungen tatsächlich besser sind.

Statt andere Konsument*innen noch für ihr Kaufverhalten zu kritisieren, sollte die Scham dahingelenkt werden, wo sie hingehört: Zur Quelle.
Die Produktionsbedingungen werden nicht von mir mit meinem Kauf geschaffen, sondern von den Firmen, die Dinge produzieren lassen. Unter staatlichen Fairness-Deckmäntelchen auf dem Papier wie Mindestlohn und Verbot von Kinderarbeit, entscheiden immer noch die Produzierenden, nicht die Konsumierenden.
Staat und Unternehmen reichen sich die Hand, um die Bedingungen schlecht und somit kostengünstig zu halten, d.h. beide haben überhaupt kein Interesse daran, sich ernsthaft um halbwegs erträgliche Arbeitsbedingungen zu kümmern, denn es _muss_ möglichst billig sein, sonst wären’s keine Unternehmen. Die existieren nicht, um uns schöne Güter vor die Nase zu setzen, sondern um Gewinn zu erzielen. Aber das ist hier ganz schön zusammengefasst.

Das Problem ist also nicht meine vermeintliche Fehlentscheidung, denn mein Kauf ist keine freie Entscheidung, sondern ein gesellschaftlicher Zwang. Und es wird mit Sicherheit nichts besser, wenn wir uns für unsere miserablen Lebensbedingungen noch gegenseitig vors Schienbein treten.